Der Pavian-Häuptling aus dem Khomas-Hochland

Es war ein heißer Tag in Südwest-Afrika, damals im Sommer 1982. Seit Wochen hatte es nicht geregnet und es herrschte eine große Dürre.

Ich stand auf der Terrasse der Farm und beobachtete die Umgebung. Ringsum waren Hügel, im Hintergrund hörte ich das dumpfe Pochen des Windrades. Neben mir standen die schwarzen Jungen Emanuell und Widwell, Dietmar war hinter mir und hielt das Gewehr.

Wann würden sie heute kommen? Vor ein paar Tagen hatte Dietmar einige von ihnen geschossen. Ich nahm das Gewehr und hielt es fest in der Hand.

Plötzlich bellten die Hunde wie verrückt: Sie kamen über den Hügel vor uns – ihr Anführer war ein alter, großer und weißer Pavian. Als sie das ausgetrocknete Flußbett erreicht hatten, legte ich an und schoss.

Der große Pavian fiel um.

Ich blickte durch das Zielfernrohr und sah, das er sich noch bewegte. Wir liefen hinunter und da lag er vor mir und windete sich in seinen Schmerzen. Ich legte an und schoss noch einmal.

Er lebte immer noch. Die schwarzen Jungen gebärdeten sich wie wild und warfen Steine nach ihm, um noch mehr Schmerzen zu sehen. Dietmar schrie: „Schiess doch, schiess doch!“ Ich hielt das Gewehr und da schaute mich der alte Pavian an und seine Augen weiteten sich vor Schmerz und ich lud durch und schoss noch einmal.

Der große Pavian war tot.

An jenem Abend trank ich nichts von dem herrlichen Kap-Wein und ich verschmähte die Steaks, die Saul am offenen Feuer gebraten hatte.

In jener Nacht hatte ich einen Traum: Der alte Pavian und ich gingen Hand in Hand über die Hügel des Khomas-Hochlands und er erzählte mir von seiner Kindheit und den Abenteuern, die er erlebt hatte. Und ich wurde still, ganz still.


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Veröffentlicht2016 von Fred in Kategorie "Uncategorized

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