Der-kann-nichts-Mann

Er kommt rein, ins Büro, fragt nach einer Akte, blättert ein wenig drin herum und kaum ist der Kollege von Gegenüber aus dem Büro, geht es los: „Der kann nichts, was macht der hier eigentlich, ich verstehe nicht, wie die so einen einstellen konnten, jetzt muss ich seinen Job machen… unglaublich.“

Ich erzähle ihm von einem neuen Projekt, für wen das ist, wer da mitmacht, er wird kreidebleich. Den kenne ich, sagen Sie das aber nicht, Sie wissen schon.

Nein, keine Ahnung was er meint. Aber kann ER vielleicht nichts?

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn er nicht will

Wenn er nicht will, geht gar nichts. Der Guru hat keine Lust, keine Zeit, keinen Spass.
Also keine Informationen. Kein Update des Terminplans auf den neuesten Stand. Was bedeutet das? Nichts. Nur warten. Du musst warten können, mein Freund. Eine Stunde, 3 Stunden, 1 Tag, 2 Tage. Wenn Du das nicht kannst, hast Du verloren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Referenzen

Für das normale Projektgeschäft gibt es nur einen einzigen Weg: Referenzen.
Sowas baut man sich nicht mal eben auf, sondern über viele Jahre hinweg.
Du musst irgendwie Kunden finden. Und bitte nicht(!) zum Kampfpreis. Wenn Du mit Kampfpreisen arbeitest, bist Du auf einer Schiene von der Du nicht mehr runterkommst. Deine Konkurrenten sitzen übrigens in Indien, China oder sonstwo. Die können auch irgendwie programmieren und sprechen auch irgendwie Englisch. Und kosten < 15,- EUR pro Stunde. Soviel Kampfpreis kannst Du gar nicht bieten, um da mitzuhalten.

Aus Gulp (www.gulp.de)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pokern

Im Projektalltag ist es üblich, den Status von Vorgängen mit Farben zu kennzeichnen. Grün für alles bestens, gelb für Achtung, hier ist Gefahr in Verzug und rot, dann
wenn die Gefahr da ist. Diese Farbkennzeichnungen werden sehr ernst genommen. Wenn ein Vorgang dann tatsächlich als rot vorgestellt wird, zum Beispiel in einem Projekt-Meeting, dann wird es ernst, dann heben sich die Köpfe aller Anwesenden und schauen ohne Lächeln auf die Anzeige des Beamers. Und hier gilt es dann sehr gute Gründe zu haben, einen Vorgang als rot zu erklären. Sollte der darauf folgende Vortrag dafür nicht ausreichen, kann sich derjenige es kaum leisten, ein zweites Mal mit einem roten Vorgang vorzupreschen. Als zu leicht befunden, gilt er dann als ein Pokerspieler, der gezockt hat, der versucht hat, ohne etwas in der Hand zu haben, das Spiel zu machen und schließlich beim Aufdecken der Karten entlarvt wird. Er wird keine zweite Chance bekommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die ewige Gudrun

Ruft immer dann an, wenn sie nicht weiter weiß. Schreit förmlich um Hilfe bei irgendwelchen MS Project-Problemen, in die sie sich hineinmanövriert hat und die kein Mensch angefangen hätte, der sich auskennt.
Gestern! Aufgeregt wie immer will sie nur eins: Mich. Für ihre Probleme mit MS Project. Sie lässt sich auf Themen ein, von denen sie keine Ahnung hat. So ist das mit Programmen. Du kannst nur dann die Aufgaben und Wünsche des Kunden einschätzen, wenn Du die Software wirklich verstanden hast. Sonst lass es lieber. Du wirst unglücklich. Stress, Krankheit. Die ewige Gudrun hat ihren Präsentationstermin zu der gewünschten Thematik (Ressourcenplanung über mehrere Projekte) übrigens heute. Und geht dann 4 Wochen in Urlaub.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bob der Baumeister

Das ist der Kollege, der es schafft, aus einem 1.000-Aktivitäten-Terminplan einen 10.000-Aktivitäten-Terminplan zu basteln.
Und dazu wochenlang in seinem Büro hockt. Im täglichen Projektmeeting wurde er schon länger nicht mehr gesehen. Er liess aber ausrichten,  Änderungen bei den Vorgängen sind bis 17 Uhr im Büro der Terminplanung abzugeben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hörer auflegen

Und dann war da noch die Telefonkonferenz, an einem Freitag-morgen, es ging hin und her und die Gegenseite wies uns darauf hin, Hey, seid mal kooperativ, wir sind doch keine Gegner. Ja, ja, schon gut! Und als das Telefonat zu Ende war und wir bereits den Raum verlassen wollten, hörten wir breites Gelächter…„das war doch klasse, wie wir denen diese Baugruppe aufgedrückt haben…“ Wir schauten uns an. Tatsächlich. Sie hatten vergessen, den Hörer aufzulegen. Cheffe legte den Finger auf den Mund…. unsere Köpfe krachten fast aneinander, als wir uns zum Telefon beugten und hörten, was man doch alles mit uns machen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man sieht sich immer zweimal

Können Sie sprechen?

Ein Anruf am Vormittag. Nein, ich konnte nicht. Am Abend erfuhr ich dann, worum es ging…
ein Headhunter wollte mich an einen amerikanischen Konzern in Düsseldorf vermitteln. Was für eine Chance! Ich bat um vorzeitige Auflösung des Vertrages bei meinem damaligen Arbeitgeber, einem Chemiekonzern in Solingen. 2 Tage später klingelte das Telefon, am Apparat die Sekretärin des IT-Direktors. „Blondie, Du musst mal kommen, ER will Dich sprechen“. ER war Dr. F., ein Senior von ganz altem Schlag, sehr streng, sehr hierarchisch. Sein Büro war wie eine große Halle, ich musste den ganzen Raum zu seinem Schreibtisch durchqueren, einem hölzernen Thron. Dr. F. erhob sich, schüttelte mir die Hand und bat mich an seinen Besuchertisch. Hier wurde ich so platziert, dass ich mit dem Gesicht gegen das einfallende Licht saß, er mit dem Rücken dazu. Dr. F. war bekannt für diese Spiele. Mit leiser Stimme begann er das Gespräch: „Sie haben gekündigt.“ Kleine Pause. „Sie wollen früher aus dem Vertrag raus.“ Große Pause. Die Stimme wurde laut: „Sie werden ihren Vertrag bis zum letzten Tag erfüllen. Und zwar genau in der gleichen Art und Weise wie in den letzten 3 Jahren.“ Er stand auf und gab mir die Hand.
Ich hatte verstanden.
Als ich mich Jahre später selbständig machte, wurde diese Firma mein erster Kunde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ansage

 

 „Wir haben mehr Anwälte als Sie Ingenieure“

Projektleiter große Firma zu Projektleiter kleine Firma nach Unterzeichnung des Konsortialvertrages

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Guten Appetit

 

Die Meetings waren vorbei, Cheffe, Kollege E. und ich
sassen in der Kantine zum Mittagessen. Es war schon
spät und wir waren nahezu die letzten Gäste.

Sie fiel mir auch sofort auf. Zögernd kam sie an unseren
Tisch, setzte sich auf den noch freien Stuhl und sagte:
„Was habe ich für einen Appetit auf einen Mann.“

Kollege E. schaute erst die Frau, dann mich und schließlich
Cheffe an. Sein Mund war eindeutig offen und für einen
langen Moment war es still. Plötzlich sprach Cheffe:
„Dafür ist er zuständig.“
Sein Finger zeigte unmissverständlich auf mich.

Die Frau, sie mochte Anfang 30 sein, lange dunkle Haare,
große Augen, wandte sich mir zu und fing an zu reden,
und zwar ohne Pause. In einem intensiven österreichisch.
Sie holte Bilder aus der Tasche, steckte sie wieder ein,
gestikulierte. An und für sich verstand ich gar nichts.
Das ging so eine Weile. Cheffe stand dann auf und sagte:
„Auf Wiedersehen.“
Wir verließen die Kantine.

Etwas nachdenklich fuhr ich am Abend aus der Stadt,
im Radio die lokalen Nachrichten:

Am späten Nachmittag griff eine offenbar geistesgestörte Frau mit einer Axt
den Mitarbeiter eines Baumarktes in der Innenstadt an. Sie konnte überwältigt werden.