Der Nerd

 

Das Baby schrie und schrie in seiner Wiege. Sie hatte die rechte Hand zum Schlag erhoben und schubste den  Nerd, der immer weiter zurück wich. „Wie kannst Du es wagen!“, brüllte sie. Trotz seiner dicken Brille konnte ich sehen, wie weit seine Augen aufgerissen waren. Es war Dienstag, der 12. Februar 2001, abends im Bauernhaus, und wir hatten das Ende erreicht. Das Ende vom Anfang, denn das neue Jahrtausend war gerade erst gestartet und ich hatte mir alles deutlich anders vorgestellt.

(Aus den Aufzeichnungen „Wär´ ich doch in Düsseldorf geblieben“)

 

Bei Toni vorbei

 

In einem bekannten deutschen Reiseführer steht folgendes:

„Laufen Sie die Hauptstrasse hinauf, am Restaurant Toni vorbei, und kehren Sie ein im Can Madó.“
Und tatsächlich, im Ort geradeaus, dann rechts um die Ecke,
grosses Schild „Can Toni“, meine Begleiterin und ich daran
vorbei und da ist es auch, das Can Madó. Wir schauen hoch,
grosse Dachterrasse, 2 Pärchen sitzen dort, Treppe hoch,
Platz mit Ausblick auf das Meer. Tapas und Wein. Herrlich.
Und nun passiert es. Alle paar Minuten kommt eine Kopie
unserer selbst die Strasse hoch, Mann und Frau mit Rucksack,
am Can Toni vorbei, Blick hoch zur Dachterrasse, also jetzt quasi zu meiner
Begleiterin und mir, Treppe hoch, Platz nehmen, Meerblick, Tapas und Wein.
Das geht eine knappe Stunde so, dann ist die Terrasse voll.

Ob der Toni das wohl weiss… das mit dem an ihm vorbei?

 

 

Restaurante Can Madó
07190 Port des Canonge
Mallorca

Jaime, La Muyer und Antonia

 

Eine Finca tief im Tramuntana-Gebirge,

und doch keine Stunde Autofahrt vom Flughafen Palma.

Die Begrüßung im holprigen Englisch,

Antonia, ja alles ist gut,

das Zimmer schlicht und nützlich.

„Können wir hier wandern?“

„Si claro“, schnell wird eine Skizze erstellt.

Und wir sind mitten in der Natur.

Stille, Gerüche, Landschaft Pur.

Am Abend das Essen,

gekocht von Mama, La Mujer.

Einfach und Richtig,

der Wein und Jaime,

der Herr des Hauses.

Mit Charme und Hut

serviert er,www.viamichelin.de

und erzählt vom Leben.

Und wir verstehen Nichts.

Und es ist nicht wichtig.

 

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agrosacampaneta@gmail.com

+34 971768040

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Ctra Puigpunyent – Esporlas, km 4,5 
Puigpunyent Majorca 07194

Tür zu

Ein Freitag-Morgen in Haltern, Hotel in der Innenstadt, das übliche Morgen-Ritual, Zähne putzen, Duschen, Rasieren, mit dem Rasierer in der Hand durch das Badezimmer spazieren… die Klinke der Tür dreht und dreht sich… Moment, die Klinke auf der anderen Seite der Tür ist herausgefallen. Nichts tut sich.

Ich versuche, das Schloss auszubauen, ich hänge mich an den Türrahmen und zerre an der Tür, die nur nach innen aufgeht, um sie aus der Verankerung zu reissen, ich klopfe an die Wand, ich brülle um Hilfe… nichts tut sich. Nach etwa einer Stunde nehme ich auf dem Klodeckel Platz und halte inne.

Mein Blick fällt auf den Badschrank…. das ist es. Ich reiße eine der beiden Türen raus und schlage damit auf die Badezimmertür ein… meine Hand blutet… aber tatsächlich, ein Loch… systematisch knalle ich nun dieses Werkzeug auf die Tür und erobere Stück für Stück meine Freiheit zurück.Badezimmertür

Schließlich krabbele ich aus dem Loch ins Schlafzimmer, nackt, blutüberströmt, mit roten Haaren – womöglich mag so Luzifer einst ausgesehen haben.

Später erfahre ich, dass tatsächlich Gäste meine Rufe gehört haben, aber niemand hielt es für nötig sich zu kümmern. Und als ich meine Koffer aus dem Zimmer hole – was übersät ist von den Trümmern der Tür – höre ich, wie sich im Nachbarzimmer jemand föhnt. Oh, denke ich noch, man soll ja auch nicht um Hilfe rufen sondern laut FEUER FEUER schreien.

€ 63,90

 

Altstadt von Palma im Mai, langes Wochenende in Deutschland, dichtes Gedränge und Geschiebe.

Lust auf Tapas, hier eine Bar zu dunkel, dort viel zu voll. Doch das Gedränge wird jetzt weniger, freies Gehen, wir sind etwas ausserhalb. Und da, eine Bar, sieht leer aus und ja, nur ein junger Mann mit Haaren bis zum Gürtel sitzt an der Bar, 4 Tischchen, ich setze mich, meine Begleiterin, die auch Karate kann, setzt sich ungern, schaut nach links und rechts, fühlt sich unwohl, bestellt nur einen Espresso, will eigentlich gleich wieder weg. Ich sage tapfer und doch fröhlich: „Tapas y una bottella rosado. Por favor“. Die Bedienung, eine schwarzhaarige Asiatin, grinst und verschwindet. Wir hören lange nichts bis auf das Piepen der Mikrowelle. Und richtig, wir bekommen einen Teller mit aufgewärmten Klößchen und einen Teller mit Wurst, Käse, Schinken… dazu Brot. Alles ein bisschen okay und doch nicht gerade ein Teller voller Köstlichkeiten. Eine Gruppe Franzosen besetzt den Rest des Lokals und wir bestellen die Rechnung „La cuenta por favor!“

Nach einigen Minuten liegt ein brauner Zettel auf unserem Tisch und in etwas krakeliger Schrift steht dort diese Zahl: 63,90.

„Oh, wir werden jetzt abgezockt“ murmele ich und meine Begleiterin, die auch Karate kann, setzt sich aufrecht und zischt „Unverschämt“. Ich krame umständlich in meiner Geldbörse, Zeit gewinnen, Gedanken sammeln, fingere einen 50-Euro-Schein heraus. Zack, so schnell kann ich gar nicht gucken, nimmt sich die Bedienung den Schein, guckt uns an und verschwindet mit den Worten „Okay, it´s enough“. Aha. Deal. Wir verlassen das Lokal und ich mache schnell noch ein Foto, von der Tapas-Bar, die keine Tapas-Bar ist:

 

63,90

Über den Business-Nomaden

Das Hamburger Abendblatt schrieb schon am 10. März 2007 über die Arbeitsnomaden der Moderne:

„Aus den Tüftlern am PC sind Kundenberater geworden. Da sind überfachliche Kompetenzen gefragt.”

Und was ist mit dem Klischee vom Pizza ordernden, pickeligen Programmierer im zerschlissenen Rolli? Alles Durchschnittsmenschen, selbst bei der Ernährung. Was IT-ler vielmehr auszeichne, sei ihre hohe Selbstmotivation – das sind moderne Nomaden, die ohne genaue Vorgaben, feste Struktur und bekanntes soziales Umfeld arbeiten können.

Also flexible, prozessorientierte Organigramme statt funktionaler Statik. In der Praxis heißt das vor allem Projektarbeit.
Pendeln zwischen Einsatzorten in Hamburg, Niedersachsen und Bayern, zwischen Hotel und Heimbüro, konfrontiert mit ganz unterschiedlichen Unternehmenskulturen und Produkten. „Ich bin darauf angewiesen, dass ich erfolgreich bin und man mich wieder bucht.“

Abgesägt

 

 

Der Einkaufsleiter wurde geschasst. Am Freitag-Abend per SMS. Ab Montag braucht er sich nicht mehr um den aktuellen Auftrag zu kümmern. Seine Aufgabe lautet nun, den Einkauf für neue Projekte zu leiten.

Es gibt keine neuen Projekte.

 

Pädagogische Konsequenzen oder Business kann so einfach sein

Der Terminplan wird nicht fertig. Der Konsortialpartner braucht länger als vor Wochen versprochen , zwei der Sub-Unternehmer haben noch gar keinen Plan abgegeben, Stillstand.
Die Diskussionen werden laut und heftig, das Schulterklopfen ist vorbei. Die Projektleiterin des Auftraggebers verlässt den Raum. Und kommt eine Stunde später zurück. Mit den Geschäftsführern aller beteiligten Firmen. Bevor ich noch den Gedanken beenden kann, wo hat sie die so schnell hergeholt… hatten die sich schon verabredet….?…. höre ich klar und laut ihre Stimme: “Wir haben genug diskutiert und wir haben keine Zeit mehr. Wir geben Euch hier und heute die Gelegenheit, einen gemeinsamen Terminplan fertig zu kriegen. Um 22 Uhr sind wir wieder da!” Die Jungs an ihrer Seite nickten kräftig. Schon waren sie weg. Und hörte ich da richtig? Die Tür wurde abgeschlossen!

Die 120 Tage Differenz waren kein Problem mehr, schnellere Lieferung, Verkürzung der Montage und fertig. Punkt 22 Uhr stand der Plan, breites Gelächter überall, knallende Sektkorken.

Business kann so einfach sein.

 

 

 

 

 

 

Der Stier (Teil II)

Das Excel-Worksheet also. Darum ging es. Die Kollegen hatten mich gewarnt, noch nicht abgeben, das ist unvollständig, wir haben noch nicht alle Daten zusammen. Es ging um eine Aufstellung aller Dokumente, der Masterdokumentenliste. Na toll. Sehr langsam kramte ich weiter herum, immer ein Auge auf den Stier gerichtet.
Der saß da und wartete. Ein rotes Tuch könnte jetzt vielleicht helfen. „Haben Sie einen Stick, Herr äh Stier?“ Meine Güte, so hieß er doch nicht. Aber er hatte. Bitte nicht so schnell. Er kam um den Tisch herum und reichte ihn mir. Cheffe an meiner rechten guckte angestrengt auf sein Handy.  Okay, nun soll es so sein. Ich fand die Datei, kopierte sie auf den Stick und gab ihn weiter an den Stier. Fast gierig steckte er ihn in seinen PC, rief das Programm auf und… erstarrte. Er schaute Cheffe und mich an und dann geschah es. Er knallte rythmisch mit seinem Kopf auf den Tisch und rief immer wieder: „Nein, nein, nein“. Genau im gleichen Takt, in dem er seinen Kopf auf den Tisch haute. Wir verliessen den Raum. Den Stier sahen wir nie wieder.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Stier

Meeting beim Auftraggeber. Schon als er mit schweren Schritten den Raum betrat, breitete sich seine Aggression wie ein Nebel aus, der langsam durch den Raum auf uns zu waberte. Doch keiner konnte in diesem Moment ahnen, dass dieser Mann 4 Stunden später mit seiner Stirn mehrmals auf den Tisch haute.

Sein Händedruck war mehr als kräftig, fast schien es, er wollte einem weh tun, seine Akte liess er laut krachend auf den Konferenztisch fallen. Das typische „Soooo!“ schallte durch den Raum, wir hätten doch sicherlich jede Menge Dokumente und Zeichnungen dabei, die seit Wochen überfällig sind. Er war mittlerweile knallrot, seien Adern pochten, er wirkte wie ein Stier vorm Angriff. In diesem Moment klingelte mein Handy. Aus meiner Zeit mit vielen jungen Kollegen und Kolleginnen habe ich keinen normalen Klingelton mehr, nein, The Doors, Light my Fire, kam laut und präzise über unser kleines Zusammensein. „Prepper, guten Morgen, Ihre Anlage ist fertig!“ Aus den Augenwinkeln beobachtete ich den Stier und war insgeheim froh, das zwischen ihm und mir ein breiter Tisch war. Ich liess mich zurückfallen. Ziemlich lässig. Und führte ein Telefonat über eine reparierte Stereo-Anlage und zu welchem Zeitpunkt sie am besten zurückgebracht werden könnte. Aus den Nasenlöchern des Stiers schien Rauch aufzusteigen. Erst als ich beim Cheffe an meiner rechten Seite eine leichte Unruhe bemerkte, beendete ich das Telefonat.

Die Augen des Stiers waren eindeutig blutunterlaufen. Er verlangte nach einer ganz bestimmten Excel-Liste, die ihm von wem auch immer versprochen und anscheinend überfällig war. Umständlich, hoffend Zeit zu gewinnen, kramte ich auf meinem Laptop und tippte in WinWord in grossen Buchstaben: CHEFFE, DIE IST DOCH GAR NICHT FERTIG. Der, den ich meinte, nickte cool.

Okay, dann gibt es hier und jetzt kein Halten mehr.

 

Fortsetzung folgt…