Der Pavian-Häuptling aus dem Khomas-Hochland

Es war ein heißer Tag in Südwest-Afrika, damals im Sommer 1982. Seit Wochen hatte es nicht geregnet und es herrschte eine große Dürre.

Ich stand auf der Terrasse der Farm und beobachtete die Umgebung. Ringsum waren Hügel, im Hintergrund hörte ich das dumpfe Pochen des Windrades. Neben mir standen die schwarzen Jungen Emanuell und Widwell, Dietmar war hinter mir und hielt das Gewehr.

Wann würden sie heute kommen? Vor ein paar Tagen hatte Dietmar einige von ihnen geschossen. Ich nahm das Gewehr und hielt es fest in der Hand.

Plötzlich bellten die Hunde wie verrückt: Sie kamen über den Hügel vor uns – ihr Anführer war ein alter, großer und weißer Pavian. Als sie das ausgetrocknete Flußbett erreicht hatten, legte ich an und schoss.

Der große Pavian fiel um.

Ich blickte durch das Zielfernrohr und sah, das er sich noch bewegte. Wir liefen hinunter und da lag er vor mir und windete sich in seinen Schmerzen. Ich legte an und schoss noch einmal.

Er lebte immer noch. Die schwarzen Jungen gebärdeten sich wie wild und warfen Steine nach ihm, um noch mehr Schmerzen zu sehen. Dietmar schrie: „Schiess doch, schiess doch!“ Ich hielt das Gewehr und da schaute mich der alte Pavian an und seine Augen weiteten sich vor Schmerz und ich lud durch und schoss noch einmal.

Der große Pavian war tot.

An jenem Abend trank ich nichts von dem herrlichen Kap-Wein und ich verschmähte die Steaks, die Saul am offenen Feuer gebraten hatte.

In jener Nacht hatte ich einen Traum: Der alte Pavian und ich gingen Hand in Hand über die Hügel des Khomas-Hochlands und er erzählte mir von seiner Kindheit und den Abenteuern, die er erlebt hatte. Und ich wurde still, ganz still.

Neulich an der Haustür

Es muss im Januar gewesen sein, jedenfalls war es draußen noch dunkel, da wachte ich durch ein Dauerklingeln an der Haustür auf. Ich schaute nach rechts, meine Begleiterin, die auch Karate kann, schlief friedlich. Das war wohl ein stürmischer Traum, dachte ich beim Aufstehen und da wieder… Klingeln ohne Unterbrechung. Ich schaute aus dem Fenster, war etwas mit meinem Auto?, nein, der Freund stand friedlich vor sich hin. An der Haustür war der Bewegungsmelder an. Kurz entschlossen riss ich die Tür auf: Vor mir stand ein reichlich zerlumpter Mann, in der rechten Hand hielt er ein Bild, auf das er mit lauten und nicht verständlichen Worten zeigte, es sah ein wenig aus wie ein Marienbildchen. Radebrechend kam er auf mich zu und ich zeigte ihm ein auf der ganzen Welt verständliches Zeichen, ich tippte an meine Stirn und knallte die Tür zu. Weg war er.

Heute glaubt mir das niemand mehr. Sie sagen, ich hätte geträumt.

Landleben-Drama

Der Willi ist jetzt mit der Nachbarin zusammen, sie ziehen aber in einen anderen Ort, weil die Frau vom Willi bei seiner Mutter bleibt, also ihrer Schwiegermutter und der Mann von Willi´s neuer Freundin weiter auf dem Hof mit den gemeinsamen Kindern wohnen will. Er hatte bei der Hochzeit extra ihren Familiennamen angenommen, weil es gute bäuerliche Tradition ist, dass der Hof weiter den Namen der Ur-Familie behält. Ob der Mann von Willi´s neuer Freundin jetzt mit der Frau von Willi? Sind ja Nachbarn.

(Aus den Aufzeichnungen „Wär´ ich doch in Düsseldorf geblieben“)

Sundowner auf Mount Valley

Sundowner

 

Das ist hier kein normaler Sonnenuntergang. Also in dem Sinne, dass man auf den untergehenden Sonnenball schaut. Nein. Hier geht die Sonne hinter mir unter. Und sie leuchtet mit ihren Strahlen die Berge vor mir aus. Alle Farben, alle Schattierungen, ein wilder Auftritt zum Ende des Tages bis es gleich und rasant schnell dunkel wird und die afrikanische Nacht da ist. Ein magischer Platz, die Sundowner-Terrasse auf Mount Valley.

 

 

Zenkichi

Ich stand mit meiner Begleiterin, die auch Karate kann, vor dem Haus Johannisstrasse 20. Halloooo! Hier soll es sein, das Zenkichi. Kein Schild, kein Hinweis. Ah, da drüben steht eine Japanerin, raucht eine Zigarette, ein Grinsen: „Sie stehen davor, gehen Sie ruhig rein.“ DA! Links ist eine Treppe, es geht hinunter in einen fensterlosen dunklen Keller, geführt von den runden Kieselsteinen auf dem Boden, es entsteht ein Weg, umgeben von Bambusstäben. Im Hintergrund schreit uns Jazz-Musik an. Bevor nun die Orientierung dennoch und vollends verloren geht, steht vor uns eine Empfangsdame: „Good evening… Arigatou gozaimasu!“ Wir werden nun von der freundlichen Bedienung geführt, vorbei an verschiedenen Separees, abgeteilt mit Bambusvorhängen. Schließlich unser Separee. Eine Bank ums Eck, dazu der Tisch. Passt genau für uns zwei. Ein Klingelknopf, die Speisekarte, der Vorhang wird heruntergelassen. Wir entscheiden uns für das 8-gängige Omakase-Menü, was uns weit weg vom sonst üblichen Sushi-Allerlei führen wird, ganz tief hinein in eine japanische Küche, der wir uns völlig hingeben. Wein gibt es nicht, nur japanisches Bier und Premium-Sake, den wir nicht etwa zum Schluss trinken, sondern der sich als exzellenter Begleiter zu den Speisen erweist. Und wir verstehen nun sogar die wilde Jazz-Musik.

Irgendwann ist dieser Rausch vorbei, dieses Wohlfühl-Erlebnis, importiert aus Brooklyn.

Zenkichi, Berlin. Erleben!

Zenkichi

Johanisstr. 20

10117 Berlin

Fon: +49-30-24630810

Web: www.zenkichi.de

Der Reporter und die Catcher

Catcher müssen für einen kurzen Moment eine überdurchschnittliche Kraft entwickeln. Dann, wenn sie ihren Gegner packen und durch die Luft schleudern. Für diesen einen Moment entsteht eine Kombination aus psychischer und physischer Kraft. Das kann nicht jeder. Aber man kann es lernen. Und da gab es einen Trainer, der genau diese spezielle Eigenschaft lehrte. Er hatte so eine Art Trainingszentrum in der Lüneburger Heide und jeder Catcher wohnte in einem separaten Wohnwagen. Die waren so aufgebaut, wie eine Wagenburg in einem amerikanischen Western, kurz bevor die Indianer attackieren. Und in der Mitte gab es einen Raum, in dem sie sich zu Trainings trafen. Ein Bild für die Ewigkeit, 10 dieser glatzköpfigen, mächtigen Männer, im Kreise sitzend, Andeutung eines Schneidersitzes mit geschlossenen Augen, Ohm murmelnd, Meditation.

Es gab nun einen Reporter eines grossen deutschen, sehr kritischen Nachrichtenmagazins, der hatte von diesem Trainer und seinem Mentaltraining gehört. Er bekam einen Interviewtermin. Und es wurde sehr deutlich, das er mit diesen leicht ironischen Fragen den Trainer aus dem Tritt bringen wollte. Dieser sehr ruhige, geduldige, ständig lächelnde Mann gab Antwort für Antwort und liess sich durch Nichts aus der Ruhe bringen. Auch durch den Umstand nicht, das der Reporter häufig am Telefon verlangt wurde. Damals gab es noch keine Handys und eine auffallend hübsche junge Frau – es gab mehrere hübsche Frauen dort auf dem Gelände – brachte also jedes Mal das Telefon, der Reporter verschwand für eine Weile und setzte danach seine überkritischen Fragen fort.

Als nun zum 5ten oder 6ten Mal das Telefon gebracht wurde, wollte der Reporter erneut aufstehen, doch dieses Mal war es anders. Der Trainer stand kurz auf, machte eine Bewegung mit dem rechten Arm in Richtung des Reporters und der… blieb stehen. Und konnte sich nicht mehr bewegen. Ein bizarres Bild, wie aus Dornröschen. Nur seine Augen bewegten sich und in ihnen war nichts als ein grosses Erschrecken.

So blieb er ein paar Minuten stehen ehe er durch eine erneute Bewegung des Trainers erlöst wurde.

Der Reporter verschwand so schnell er konnte. Ein Bericht in seinem Nachrichtenmagazin erschien dann doch nicht. Damals nicht und heute nicht.

Gerade noch so eben

 

Tatsächlich. Noch genug Plätze frei. Wir setzen uns so, wie wir es am liebsten haben, über Eck, so können wir beide gucken und reden. Und es ist wie immer, schlicht und prägnant, weisse Papierservietten auf langen Tischen. Das Wort schlicht bekommt hier einen goldenen Klang. Wir bestellen Wein und studieren die Speisekarte auf dem Din-A-4-Zettel, die genau so schon vor 20 Jahren auf dem Tisch lag, als ich Abends mit meinem Kumpel Jo gerade noch 2 Plätze an der Theke bekam. Hier gibt es nämlich keine Reservierungen. Daher meine Idee, einmal Mittags vorbei zu schauen, an einem Samstag. Und auch jetzt wird es voller und voller, wir sehen alt und jung, Goldkettchen und Schosshündchen dabei, die meisten Stammgäste, zu erkennen an der Begrüssung durch die gut gelaunte Bedienung. Unser Essen… gebratene Kalbsnieren mit scharfer Senfsauce, Gemüse und Gratin für mich und für meine Begleitung, die auch Karate kann, eine mächtige Fischsuppe mit Aioli und Gruyére. Sie wird die Beste ihres Lebens.

Roberts Bistro GmbH
Wupperstraße 2
40219 Düsseldorf
0211 / 30 48 21
www.robertsbistro.de

Öffnungszeiten:
Dienstag – Donnerstag 11.30-22.30 Uhr
Freitag 11.30-22.30 Uhr
Samstag: 10.00-22.30 Uhr
Sonntag & Montag: Ruhetag

Keine Reservierungen

Mal anders

 

Okay, ich gebe es zu. Ich bin gern in Hotels, die etwas komfortabler sind, ja, auch ein wenig Luxus tut gut. Und dann das. Messe in Düsseldorf, alle Hotels bis nach Holland belegt oder deutlich verteuert. Google, Telefonate… das Kopfschütteln am anderen Ende war zu hören. Und dann plötzlich… die Kollegin murmelt etwas von Hostel, das wäre sehr ordentlich, probier es. Aha… Toilette auf dem Flur, 6-Bett-Zimmer… bitte nicht. Schließlich Anruf dort, sehr freundliche Stimme, klar, wann willst DU kommen und wie lange und wir haben ein Zimmer frei, mit Dusche, kein Problem, Bettzeug und Handtücher werden gestellt. Oooookey… zugesagt, hingefahren, bezahlt und wohl gefühlt. Freundlichkeit pur, sehr bunt, sehr sauber, sehr zu empfehlen. Bitte und bald wieder.